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Gott lärmt nicht

In jenen Tagen kam Elija zum Gottesberg Horeb. Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr kam nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr kam nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr kam nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. (1 Kön 19, 9a.11-13a)

Gott lärmt nicht. Er dröhnt uns nicht zu.
Wichtig aber ist, nicht nur den äußeren Lärm zu meiden und sich der Flut der Worte zu entziehen, sondern auch das Gebrodel der Gedanken zu beruhigen und den schrillen Chor der inneren Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Man muss still sein, schweigen und warten, um zu erfahren, dass Gott nicht im Erdbeben ist, nicht im Sturm oder im Feuer, sondern im leisen Säuseln des Windes.
Die Stille ist der Raum der Gottesbegegnung. Das Schweigen der Ort seiner besonderen Nähe und Gegenwart. In der Stille des Herzens, da, wo wir nicht mehr planen und überlegen, wo wir nicht mehr über andere nachdenken und urteilen, beurteilen, verurteilen, da, wo wir auch aufhören, uns selbst zu bewerten, da wird Gott in uns geboren.
Wir dürfen still sein, uns Gott hinhalten, ohne Druck, nichts müssen: nichts machen, nichts leisten, nichts sagen, nichts fragen. Einfach da sein.
Haben wir den Mut dazu?

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Alle suchen dich!

In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. (Mk 1,35-38)

Frühmorgens, als es noch dunkel ist, steht Jesus auf, geht hinaus an einen einsamen Ort, um dort zu beten. Er sucht die Einsamkeit, die Stille. Er sucht das Schweigen, um unter den vielen Stimmen und Impulsen des Alltags das Wort des Vaters zu erkennen. Er sucht jene Einsamkeit, in der er sich ungeteilt dem Wort und dem Geheimnis des Vaters überlassen kann.
Sein Leben und Wirken ist nur aus dieser tiefen Verbundenheit heraus zu verstehen.
Als Simon und seine Gefährten plötzlich entdecken, dass Jesus sich von ihnen und der großen Menschenschar zurückgezogen hat, eilen sie ihm nach.
In der Einsamkeit und im Gebet finden sie ihn wieder und sagen zu ihm: „Alle suchen dich.“
Diese Worte sind eine indirekte Frage und eine geheime Bitte.
Jesus aber geht nicht direkt auf das Anliegen seiner Jünger ein. Seine Antwort ist eine klare Absage und offenbart den radikalen Gegensatz zwischen seinen und ihren Gedanken.
Mit Nachdruck stellt er die Verkündigung der Gottesherrschaft, die Wanderpredigt als seine eigentliche Aufgabe in den Vordergrund.
Dieses Verhalten Jesu stellt Fragen an uns, sowohl an uns als einzelne Christen wie auch als christliche Gemeinde:
– Wie kann ich unterwegs bleiben in Treue zu meinem Lebensauftrag?
– Wie kann ich unterwegs bleiben in der Unruhe und dem Lärm des Alltags, in dem Netz von Erwartungen und Ansprüchen, das andere über mich werfen?
– Wie können meine Lebensquellen ihre Klarheit behalten und jene Stunden versorgen, in denen mein Glaube, meine Hoffnung und meine Liebe sich abnutzen und zu versiegen scheinen?
Jesus hat die Einsamkeit und das Schweigen gesucht.
Er hat jene Zeiten der Stille geliebt, in der alle äußere Aufmerksamkeit und alle Beschäftigung ruhte, und er sich ganz dem Geheimnis des Vaters überlassen konnte.
Aus dieser innigen Verbundenheit fand Jesus zu der kraftvollen Klarheit und unabhängigen Entschiedenheit, die sein Leben bestimmte.

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Leise

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