Vor Gott stehen

„Herr, wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen“ (2. Hochgebet)

Dieses „Stehen“ vor Gott unserem König, will bedacht und beachtet sein: Für mich heißt das, dass wir uns vor unserem Gott, auch und gerade weil er unser König ist, nicht notwendigerweise klein machen müssen, so als müssten wir ständig ein schlechtes Gewissen haben.
Wir sitzen aber auch nicht vor Gott, etwa in dem Sinn, dass wir uns beruhigt zurücklehnen könnten, weil uns Gott und sein An- bzw. Einspruch an oder in unser Leben nichts anginge – nein, unser Gott ist ein Gott vor dem wir mit Ehrfurcht stehen, dem wir Auge in Auge gegenüber stehen, der uns als Partner ernst nimmt.
Was auch immer wir tun im Leben, es sollte kein Selbstzweck sein, sondern es sollte gut und förderlich sein für Gott und für die Menschen. Es gehört zum Grundauftrag, zur Berufung des Christen, für andere da zu sein, vor allem für Schwächere, Benachteiligte und an den Rand Gedrängte. (vgl. Mt 25,31-46)
Gott ruft uns, und wir antworten verantwortungsvoll und mit aller Ernsthaftigkeit mit unserem Leben. Dadurch kommt Bewegung und Sinn in unser Tun – dafür danken wir dem Herrn, auf den wir uns verlassen können. In diesem Sinn dürfen wir unsere Berufung und Verantwortung verstehen und sie leben.

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