Monatsarchiv: August 2016

Demut

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen:
Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.
Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(Lk 14,1.7-11)

  1. Laut ruft uns, Brüder, die Heilige Schrift zu: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
    2. Mit diesen Worten zeigt sie uns also, dass jede Selbsterhöhung aus dem Stolz
    hervorgeht.
    3. Davor hütet sich der Prophet und sagt: „Herr, mein Herz ist nicht überheblich, und meine Augen schauen nicht hochmütig; ich ergehe mich nicht in Dingen, die für mich zu hoch und zu wunderbar sind.
    4. Wenn ich nicht demütig gesinnt bin und mich selbst erhöhe, was dann? Du behandelst mich wie ein Kind, das die Mutter nicht mehr an die Brust nimmt.“
    5. Brüder, wenn wir also den höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu jener Erhöhung im Himmel gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in diesem Leben aufsteigen,
    6. dann ist durch Taten, die uns nach oben führen, jene Leiter zu errichten, die Jakob im Traum erschienen ist. Auf ihr sah er Engel herab und hinaufsteigen.
    7. Ganz sicher haben wir dieses Herab und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf.
    8. Die so errichtete Leiter ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum Himmel auf, wenn unser Herz demütig geworden ist.
    (aus der Regel des Hl. Benedikt, Kapitel 7 „Die Demut“ 1-8)
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Die enge Tür…

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. […]
Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten. (Lk 13 ,22-24;29-30)

Beim Lesen dieser Zeilen stellt sich doch sofort die Frage: Wo ist die enge Tür?
Und wir sind schnell dabei, sie als die enge Tür am Ende unserer Tage zu deuten.
Was aber, wenn es vielleicht die vielen kleinen und engen Türen unseres Alltages sind die hier angesprochen werden?
Die Tür zum Pflegebedürftigen, zum Kranken, zum schwierigen Partner, zum Verzweifelten, zum in sich Verschlossenen, zum Menschen mit Fragen und Problemen …
Jesus warnt vor den weiten Toren der Bequemlichkeit, des Luxus, des Vergnügens, der scheinbaren Grenzenlosigkeit menschlichen Tuns.
Wir selber sind es, die entscheiden, welche Tür wir nehmen, welche wir öffnen und welche wir verschließen.
Ein schönes Beispiel einer kleinen und engen Tür mitten im Alltag konnten wir dieser Tage bei den Olympischen Spielen in Rio erleben:

Dazu meinte Abbey D´Agostino (USA):Obwohl meine Handlungen zu dem Zeitpunkt rein instinktiv waren, kann ich es mir nur so erklären, dass Gott mich darauf vorbereitet hat, in diesem Moment so zu reagieren. Die ganze Zeit, die ich hier in Rio bin, hat Gott mir klar gemacht, dass es um mehr ging als meine Wettkampf-Leistung – und in dem Moment, in dem ich Nikki aufstehen sah, wußte ich: Das ist es.
Weitere Hintergrundinfos: <hier>

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Links- oder Rechtsverkehr? ;-)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. (Lk 12, 49-53)

Es geht darum, sich neu für Christus zu entscheiden, es immer wieder zu tun, jeden Tag. Ja sagen zu ihm, zu dem, was er ist und was er für uns will.
Da gibt es keine Kompromisse. Ein bisschen glauben geht nicht.
Es ist wie im Straßenverkehr. Auch auf der Straße gibt es zwischen Linksverkehr und Rechtsverkehr keinen Kompromiss. Entweder wir fahren alle auf dieser Seite oder auf der anderen. Wer da unentschieden ist, gefährdet sein Leben.
Wer sich für Christus entschieden hat, sollte es auch ganz tun, soll zu ihm wirklich Ja sagen, soll versuchen, in seinem Sinn zu leben.
Wir stehen vor Gott, dem Herrn.
Er öffnet sich in seiner Liebe, wendet sich uns zu.
Da kann die Antwort doch nur die sein:
Ich mache keine halben Sachen, sondern nur ganze.
Ich übergebe mich dir ganz, ich will ganz zu dir gehören.
Ich habe Gemeinschaft mit dir und ich zeige dies auch.
Jeder darf wissen, auf welcher Seite ich stehe.

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Glaube heißt…

Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten.
Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens hielt er sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.
(Hebr 11,1+2.8-10)

Der Hebräerbrief arbeitet mit Beispielen aus der Geschichte, was Glauben praktisch und konkret bedeutet:
Glauben – das heißt: Unterwegs-Sein, Pilger-Sein, mit klarem Ziel und fester Überzeugung.
Als Beispiel dient der Glauben des Abraham.
Gott ruft ihn heraus aus allem, was sein Leben bisher ausmachte. Heraus aus wohlerworbenen Sicherheiten, heraus aus der Geborgenheit von Sippe und Volk, heraus aus den Überlieferungen von Sitte und Kultur, heraus aus Wohlstand und Reichtum.
Abraham folgt diesem Ruf, bricht auf, zieht aus – nicht auf eigenes Risiko, sondern im Vertrauen auf den herausrufenden Gott und um des verheißenen Zieles willen!

Wenn wir wie Abraham glauben würden, müssten auch wir immer wieder neu aufbrechen aus Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, aus dem Trend der Masse und der Mode,
aus den sogenannten Sachzwängen, aus dem, was Politik und Wirtschaft als das Selbstverständliche und nicht mehr Hinterfragbare hinstellen.
Glauben stellt uns hinein in die Einsamkeit einer Entscheidung vor Gott.

Im Glauben unterwegs sein bedeutet:
sich immer wieder aus der Bahn werfen zu lassen; bereit sein, sich immer wieder neue Ziele zeigen zu lassen;
Tag für Tag neu auf den je aktuellen Ruf Gottes hinzuhören;
die „Freiheit der Kinder Gottes“ zu kultivieren, die sich nicht einfangen lässt vom Vordergründigen, weil der Glaubende weiß, was wirklich zählt und vor Gott Bestand hat.

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