Monatsarchiv: Mai 2016

Ehrfurcht

1Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. 2Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. 3Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. 4Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; 5denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut.
6Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. 7Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. 8Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
9Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden.
10Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.
(Lk 7, 1-10)

Die Haltung des Hauptmannes lässt Jesus und uns erstaunen. Vor allem die Art und Weise, in der er Jesus gegenübertritt ist bemerkenswert und kann auch uns anfragen.
– Der Hauptmann lebt eine Haltung der Ehrfurcht Jesu gegenüber („Ich habe mich nicht für würdig gehalten“)
– Aus seinen Worten spricht ein tiefer Glaube an und ein grenzenloses Vertrauen zu Christus („Sprich nur ein Wort“)

Das stellt uns vor die Frage, wie wir Jesus gegenübertreten:
– Wie nähern wir uns ihm im Gebet? Fordern wir, pochen wir auf unserem Recht, oder bitten wir vertrauensvoll?
– In welcher Haltung empfangen wir die Sakramente? Etwa das Bußsakrament oder die hl. Kommunion. Trauen wir der Barmherzigkeit Gottes, die er uns schenken will und treten wir in ehrfurchtsvoller Haltung zum Empfang der heiligen Kommunion?
– Rechnen wir im Alltag mit Jesus und seinem Eingreifen?

 

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Dreifaltigkeit

„Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh 14,20-21)

Das Hochfest der Dreifaltigkeit konfrontiert uns mit einer Wirklichkeit, die sich unserem Begreifen entzieht.
Gott können wir nicht „begreifen“, in den Griff bekommen.
Wir können nur warten, dass er uns einen Blick tun lässt in sein Innerstes, in sein Herz.
Als Christen sind wir davon überzeugt, dass Gott dies in Jesus Christus getan hat.
Er hat uns Gott als seinen Vater offenbart, der ihn in diese Welt gesandt hat; und der uns den Gottesgeist schenkt und so bei uns bleibt.
Dieses Geheimnis können wir immer wieder verehren, und in diese göttliche Beziehung können wir uns immer wieder hineinstellen, wenn wir beten:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“

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Pfingsten erfahren

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apg 2,1-4)

So sehr wir uns eine Kirche wünschen, die die Menschen wieder auf Gott aufmerksam macht und alle anzieht – so sehr braucht sie wohl zuerst das Leise und Zarte, die Ruhe und Stille, in der wir hören und empfangen können.
Denn wie sollen wir etwas weitergeben, wenn wir nicht vorher etwas empfangen haben?
Wie können wir mutige Zeugen sein, wenn wir noch gar nicht wissen, worum es in der Kirche geht, wirklich geht? Was dort trägt und tragfähig ist.
Denn wir können Gottes große Taten nur dann glaubhaft verkünden, wenn wir sie zuerst einmal am eigenen Leib erfahren haben.
Und genau darum geht es an Pfingsten:
um diese „Erfahrung Gottes am eigenen Leib“, um die Erfahrung Gottes in unserem eigenen Leben.
Und wie ein solches Pfingsten aussieht und was sich da ereignen könnte, das besingt uns ein wunderschöner alter Text: Die Pfingstsequenz.

Komm herab, o Heil‘ger Geist, / der die finstre Nacht zerreißt, / strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt, / komm, der gute Gaben gibt, / komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit, / Gast, der Herz und Sinn erfreut, / köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn / kann im Menschen nichts bestehn, / kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein, / Dürrem gieße Leben ein, / heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart, / löse, was in sich erstarrt, / lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut, / das auf deine Hilfe baut, / deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn, / deines Heils Vollendung sehn / und der Freuden Ewigkeit.

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Gottesbeziehung

(In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete:) Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. (Joh 17,20-23)

Kurz vor seiner Gefangennahme hat Jesus in sehr intensiver Weise Abschied genommen von seinen Freunden. Dabei hat er seinen letzten Willen bekundet – nicht in Form eines Katalogs mit Normen für seine Nachkommen. Er hat keine Strukturen vorgegeben. Statt zu organisieren betet Jesus.
Hier betet einer, der alles kann durch den, der ihn erfüllt, stärkt und sendet. Er lebt die Einheit mit dem Vater. Diese Gottesbeziehung ist für Jesus Glück und Lebenskraft. Genau diese Einheit, diese Vertrautheit ist es, die er uns hinterlassen will. Wir sollen eins sein.
Das lässt sich nicht organisieren oder planen.
Es ist eine geistliche Dimension, die uns im Gebet eröffnet wird. Mit Strukturen allein kommen wir nicht weiter.
Dem Christen, der sich wirklich zu Jesus bekennt, sollte es ein Herzensanliegen sein, was Er vorgelebt hat, was Er den Menschen bezeugt hat.

Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen;
sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz denkt an dein Wort: „Sucht mein Angesicht!“
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Verbirg nicht dein Gesicht vor mir!
(Ps 27,7-9)

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Sich erinnern

Verkündet es jauchzend, damit man es hört!
Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde!
Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit. Halleluja.
(Vgl. Jes 48, 20)

Ist uns denn wirklich nach diesem „Jauchzen“ zumute, zu dem uns der heutige Eröffnungsvers auffordert?
Spüren wir denn wirklich diese Befreiung, die uns der Herr an Ostern geschenkt hat?
Oder lassen wir uns längst wieder einfangen von mancher Sorge, mancher Mühsal eben vom Alltag und haben wir uns schon innerlich vom Osterjubel verabschiedet, so dass er sich in unserem Leben nicht mehr wiederfindet und auswirkt?
Dann gilt es, sich neu daran erinnern zu lassen.
Wir sind befreite, zur Freude berufene Menschen,
Jesus verspricht uns, einen Beistand: den Geist der Wahrheit, der uns durchdringt und erfüllt.
„Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14,26)

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